“Da braut sich der perfekte Sturm zusammen”

“Da braut sich der perfekte Sturm zusammen”

Nicht nur in Deutschland, auch in Großbritannien sind die Preise massiv gestiegen. Im Königreich sogar nochmal deutlich stärker. Gas, Strom, Lebensmittel – für alles müssen die Briten tiefer in die Tasche greifen. Das trifft vor allem die hart, die ohnehin schon wenig haben, wie viele in Woolwich im Londoner Bezirk Greenwich. Es ist einer der Bezirke, die in der Negativliste oft weit oben stehen: Die Zahl der Menschen, die sterben, bevor sie 75 sind, ist hoch, es gibt viele Schulabbrecher, mehr als 40 Prozent der Kinder leben unter der Armutsgrenze.”Da braut sich der perfekte Sturm zusammen”, sagt Anthony Okereke. Er ist Ratsherr von Greenwich, der Vorsteher der lokalen Regierung. Die steigenden Preise, die Folgen von Corona, das bringe immer mehr Menschen in Schwierigkeiten. Mit seinen Mitarbeitern führte er Ende August eine Umfrage unter 1.200 Bewohnern durch.Das Ergebnis hat auch ihn schockiert: Mehr als 50 Prozent sparen an Lebensmitteln, mehr als 40 Prozent an ihrem Energieverbrauch, 26 Prozent lassen gar Mahlzeiten aus – weil sie es sich nicht mehr leisten können. Okereke macht sich nun Sorgen, was im Winter passiert, wenn die Menschen auf das Heizen verzichten, besonders weil einige Häuser nicht gut isoliert sind. “Wir wollen nicht, dass kalte Wohnungen und die fehlende Möglichkeit, Wohnungen zu heizen, die Menschen gefährden.”

Preise steigen, Gehälter stagnieren

Der Bezirk steuert dagegen an, sagt er. Kinder, deren Eltern Sozialleistungen beziehen, bekommen Mahlzeiten an den Schulen gesponsort. Es gibt Beratungsstellen, auch eine kostenlose Hotline, die Menschen in Not anrufen können. Doch die Möglichkeiten der Bezirke seien begrenzt: In den vergangenen Jahren sind die Budgets für die Councils zusammengestrichen worden – und somit auch der Spielraum, steuernd eingreifen zu können, wie der Oppositionspolitiker von der Labour-Partei kritisiert. Und nicht nur darunter leiden die ärmeren Viertel wie Greenwich. Auch soziale Unterstützungsleistungen seitens der Regierung sind immer weiter heruntergefahren worden.Wehidullah vor seinem Arbeitsplatz: “Das Gehalt bleibt das gleiche, aber die Preise steigen.” (Quelle: Camilla Kohrs/t-online)Einer, der das unfair findet, ist Wehidullah. Er arbeitet in einem kleinen Lebensmittelladen im Zentrum von Woolwich. “Das Gehalt bleibt das gleiche, aber die Preise steigen”, sagt er. Viele Kunden berichteten ihm darüber, dass sie immer weiter unter den steigenden Kosten leiden. Anders als Nijole-Margarita meint er nicht, dass das Königshaus zu viel Geld bekomme. “Jeder liebt hier die Queen”, sagt er und zeigt auf den Platz um sich herum. Eher würde die Regierung den Energieunternehmen zu viel zugestehen, sie etwa nicht zu günstigeren Preisen verpflichten.

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